Tiefenpsychologischer Hintergrund

Die herkömmliche Vermittlung von Wissen und Skills sowie die herkömmliche Administration alltäglicher Abläufe werden am Kolleg ergänzt durch tiefenpsychologisch-analytisch fundierte Arbeit. Tiefenpsychologische Konzepte zu Wahrnehmung, Beziehung und Kommunikation geben der Didaktik und Forschung ein spezifisches Profil entdeckendes Lernens und Lehrens. In diesem Bereich akademischer Lehre geht es um ein Experiment des Verstehens von (und zwischen) Gesundheitswissenschaften, Erziehungs- und Bildungswissenschaften und Therapie und die Erfahrung, wie die Diversität und Heterogenität verschiedener Vorbildungen und Berufe zu einem kreativ-kritischen Dialog führt. Leitend ist dabei das Erfahrungslernen in der Wechselwirkung von Theorie und Praxis. Einer verengenden Spezialisierung wirkt als Alternative die Generalisierung durch Vernetzen und Querdenken entgegen.

Die Elemente Selbsterfahrung, Reflexion der Arbeit im eigenen helfenden Beruf, Lehre, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit sind am Kolleg eingebettet in einen tiefenpsychologisch-gruppenanalytischen Rahmen. Die genannten Elemente werden von Studierenden (Angehörige unterschiedlicher helfender Berufe) und Staff in der Groß- und Kleingruppe erarbeitet.

Zugrunde liegt dabei die analytische Vorgangsweise, unter Nutzung von Übertragung und Gegenübertragung, gleichschwebender Aufmerksamkeit und Abstinenz, Containing und Konfrontation. Die Verantwortlichen (z.B. der Gesamtleiter, der Tiefenpsychologische Leiter, die BalintgruppenleiterInnen) sind durch Eigenanalyse sowie Gruppenerfahrung geschult. Es gelten analog die berufsethischen Richtlinien für psychotherapeutische Supervision.

Ziel der tiefenpsychologisch-analytisch fundierten Vorgangsweise ist es, dass alle Teilnehmenden die thematischen Inhalte vor den Hintergrund eigener Assoziationen und wachsender Autonomie reflektieren, weiterentwickeln, vertiefen, festigen und vernetzen. Zu den Elementen im einzelnen:

  • Selbsterfahrung: Vertiefte Selbsterfahrung ist sozusagen „Nebenprodukt“ der Fortbildung am Kolleg. Unter anderem betrifft sie die eigene Motivation im helfenden Beruf, blinde Flecke und Hindernisse, sowie die eigene Funktion in der Beziehung von TherapeutIn und KlientIn. Weiter ist Selbsterfahrung ein didaktisches Mittel zur emotional-kognitiven Vernetzung von Lerninhalten und Skills. Tiefenpsychologisch-analytisch fundierte Kommunikationsseminare leiten diesen Prozess ein und vertiefen ihn.
  • Reflexion der eigenen Arbeit im helfenden Beruf: Diese findet in Supervisionsgruppen nach Balint und thematischen Gruppen zu Gesundheits- und Bildungsfragen statt.
  • Lehre: Abgesehen von der Vermittlung und Reflexion tiefenpsychologischer Kenntnisse ist die Selbsterfahrung und Reflexion Mittel zur emotional-kognitiven Vernetzung von Lerninhalten.
  • Forschung: In der Entwicklung von Forschungsfragen, z.T. auch von Forschungsdesigns, setzt das Kolleg einen starken Akzent auf den frei assoziativen Anteil des kreativen Forschungsprozesses.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Die spätere Vermittlung von interdisziplinären Lehr- und Forschungsinhalten durch die AbsolventInnen in der Öffentlichkeit basiert explizit auf der Dynamik zwischenmenschlicher Interaktion in und von Gruppen, wie z.B. von späteren eigenen SchülerInnen und Studierenden, KollegInnen und der „Research Community“ als TeilnehmerInnen des Gesundheit-, Sozial- und Bildungssystems.
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