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Kritische Stimmen

Folgende Klarstellung zu Skeptiker und Komplementäre Gesundheitswissenschaften erschien in gekürzter Fassung in DER STANDARD vom 07.08.2007. Die weiteren Einträge haben wir zu späteren Zeitpunkten verfasst. Es scheint verwunderlich, dass stereotyp polemische Anwürfe wiederholt werden, obgleich die Möglichkeit der fachlichen Auseinandersetzung auf wissenschaftlicher Ebene besteht.

  • Skeptiker und Komplementäre Gesundheitswissenschaften (2007)

Mit Interesse haben wir den „Kommentar der Anderen“ vom 27.07. gelesen.

Wie der Autor hält auch das Interuniversitäre Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau die Qualitätsförderung und –sicherung im komplementärheilkundlichen Bereich für notwendig. Wir freuen uns ggf. über eine kollegiale interdisziplinäre Diskussion.

Das Kolleg versteht es als seinen wissenschaftlichen und didaktischen Auftrag, sich ohne Berührungsängste auch mit nicht-konventionellen Themen kritisch auseinanderzusetzen. Dabei scheint gerade in den „komplementären“ Bereichen des Gesundheits- und Bildungswesens eine nicht-polemische, vorurteilsfreie und sachliche Bearbeitung der Dinge dringend nötig.

Wir erlauben uns festzuhalten, dass das Kolleg in einer von der Europäischen Kommission geförderten Initiative zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen gegründet wurde und zwei Masterlehrgänge anbietet. Seine Mitarbeiter in Forschung und Lehre sind akademisch ausgewiesene Personen, über deren Qualifikation und wissenschaftliche Beiträge leicht zugängliche Publikationsverzeichnisse wie MEDLINE Auskunft geben.

Zu einigen vom Kommentator angesprochenen Punkten möchten wir ergänzen:

Homöopathieforschung: Dieses Gebiet der Heilkunde ist seit dem 19. Jahrhundert Gegenstand kontroverser Diskussion, aber auch wachsender Nutzung durch Konsumenten. Unser Team arbeitet seit 17 Jahren an einem Pflanzen- und einem Amphibienmodell zur Wirkungsforschung von homöopathisch zubereiteten Verdünnungen.  Die zentralen Experimente wurden durch Wiederholungen in unabhängigen Labors bestätigt und in internationalen impact-Zeitschriften publiziert. Arbeiten zur möglichen Gefährdung von Homöopathika durch Lagerung und Transport wurden jüngst auch in der Österreichischen Apothekerzeitung vorgestellt.

Aidsforschung: Wir untersuchten die praktisch bedeutungsvolle Annahme, dass besonders in Drittweltländern eine Vielzahl von Erkrankungsbildern fälschlich unter dem Begriff AIDS zusammengefasst werden. Indikatorerkrankungen und opportunistische Infektionen, STD und HIV-Infektion wären präventiv und therapeutisch abzugrenzen. Der Erstunterzeichnete war 2000/2001 Mitglied des AIDS and Poverty Panel der Südafrikanischen Regierung.

Psychosomatik: Unserem vor allem in Israel wirkenden Kollegen Joav Merrick, Professor an der Universität Beer-Scheba, blinden Glauben an das Hamersche Krebs-Konzept einer „Germanischen Medizin“ vorzuwerfen, berücksichtigt aus unserer Sicht keineswegs die differenzierten Möglichkeiten onkologischer Psychosomatik, die sowohl Merrick als auch wir vertreten.

Interessenten an unseren Aktivitäten einschließlich dem Lehrgang zum MSc in Komplementären Gesundheitswissenschaften, laden wir auf www.inter-uni.net ein. Der erwähnte Lehrgang verbindet als Fortbildung von MedizinerInnen, PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, PhysiotherapeutInnen etc. vier vor Ort-Seminare pro Jahr und wöchentliches Internet-Tutoring. Themen sind Public Health, Gesundheitsförderung, Wissenschaftliches Arbeiten und Kommunikationskompetenz mit Bezug zu den Angeboten der komplementären Medizin und komplementären Gesundheitspflege.

Kritikfähigkeit ist ein wichtiges Aufnahmekriterium in den Lehrgang und gesunde Skepsis durchaus wichtig. Erwachsenenbildung, Studium und Forschung benötigen ein hohes Maß an beständigem Zweifeln an Wissensinhalten. Zweifel benötigen aber qualifizierten Ausdruck, den wir nachdrücklich erbitten.

  • Energy Medicine (2008)

Der guten Ordnung halber möchten wir festhalten, dass das Interuniversitäre Kolleg keinen Mastergrad für Energy Medicine anbietet. Es besteht vielmehr eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Informations- und Energetische Medizin, die als Rechtsträger eines Kurses „Energy Medicine“ fungiert. Manche TeilnehmerInnen dieses Kurses sind – formal und inhaltlich davon unabhängig – auch Studierende des Masterlehrganges für Komplementäre Gesundheitswissenschaften am Interuniversitären Kolleg.

  • Esowatch (2008)

Aus unserer Sicht scheinen die Einträge der Seite „Esowatch“ eindrücklich zu dokumentieren, wie selbst gut gemachte Recherche zu Fehlschlüssen führt, wenn man nur festen Willens ist, den anderen zu diskreditieren. Leider bietet die – sich selbst immunisierende – Seite keine Möglichkeit der Diskussion an.

  • Suppenkasperuniversität (2008)

Unser Kolleg wurde von dritter Seite als „Suppenkasperuniversität“ bezeichnet, Diese Bezeichnung finden wir lustig, auch wenn ihr Erfinder damit vermutlich etwas anderes ausdrücken wollte. Unsere Maxime zur Freiheit der Forschung ist: „Es gehört zu den Aufwärmübungen eines Wissenschaftlers, jeden Morgen seine Lieblingshypothese über Bord zu werfen“ (Konrad Lorenz) - In diesem Sinne darf am Interuniversitären Kolleg alles untersucht werden, was sich, im Rahmen ethischer und rechtlicher Grenzen, in eine konkrete Forschungsfrage fassen lässt. Wir sind stolz auf unseren didaktischen Ansatz und die akademische Offenheit unseres Staff und unserer Studierenden - auch wenn manche Kritiker das anders sehen. Denn Wissen schaffen heißt Fragen zulassen; wer bereits alles zu wissen meint, ist vielleicht Verwalter, aber nicht Forscher.

  • Konsumentenschutz und botanische Grundlagenforschung (2009)

Ein Gerücht der besonderen Art betrifft die am Kolleg betriebene botanische Grundlagenforschung zur Wirksamkeit homöopathischer Präparate: Aus der Sicht des Konsumentenschutzes scheint uns derartige Forschung zu Herstellung, Transport und Lagerung homöopathischer Substanzen wichtig, auch wenn dabei eventuell Dogmen der homöopathischen Pharmazie auf den Prüfstand gestellt werden.

  • Gesunde Skepsis

Auch uns ist, wie erwähnt, Kritikfähigkeit und gesunde Skepsis ein Anliegen. Einer unreflektierten Verbreitung von Informationen aus zweiter Hand kann vorgebeugt werden, indem man sich direkt mit der zu kritisierenden Institution in Verbindung setzt. Wie erwähnt, besteht von unserer Seite dazu Bereitschaft.

Dr. med. dent. Dr. h. c.[UNFV] Heinz Spranger, Univ.-Prof. a. D., Medizinischer Leiter des Kolleg und
Dr. P. Christian Endler, Prof. a. D., WHO-Experte zur Homöopathieforschung, Wissenschaftlicher Leiter des Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau